Vorstand: Perparim Avdili

Përparim Avdili ist Finanzexperte in einer Zürcher Anwaltskanzlei, Zürcher Gemeinderat und Präsident der FDP der Stadt Zürich. Als Mitgründer und Präsident von #swissalbs, der Dachorganisation für die schweizerisch-albanische Community, vergibt er am 26. November den swissalbs-Unternehmerpreis.

Eine unsichere Covid-Lage, Krieg in der Ukraine, steigende Energiepreise, eine Teuerung von 3.5% – lohnt sich Unternehmertum in Krisenzeiten?
Unternehmer ist man aus Leidenschaft, nicht aus Gewinnstreben. Als Unternehmer ist es wichtig, (nicht beeinflussbare) Situationen – gerade Krisen – anzunehmen und mit ihnen pragmatisch umzugehen. Das Zauberwort heisst Resilienz. Krisen lösen aber immer auch strukturelle Veränderungen aus. So hat Covid 19 zu einem massiven Digitalisierungsschub geführt. Will heissen: Krisen bieten immer auch unternehmerische Chancen. Diese gilt es zu erkennen.

Sind von Unternehmern in Krisenzeiten andere Skills gefragt? Wenn ja, welche?
In Krisenzeiten sind von allen andere Skills gefragt, nicht nur von Unternehmern. Letztere müssen – mit Standhaftigkeit, Weitsicht und Kreativität – die richtigen strategischen Entscheide fällen, wohin man das eigene Unternehmen steuern will. Entscheidend ist meines Erachtens, dass man auch bei allen Veränderungen ein Klima für die Mitarbeitenden schafft, dass trotz schwierigen Aussichten das Team zusammenhält und «das Schiff erfolgreich mit der gesamten Besatzung durch den Sturm» bringt. Krisen bieten immer auch Chancen: Wer diese erkennt und so sein Unternehmen weiterentwickelt, gehört zu den Gewinnern.

Sie sind Präsident der FDP der Stadt Zürich. Was macht die FDP für Unternehmer in Krisenzeiten?
Die FDP setzt sich seit jeher für beste Rahmenbedingungen für Unternehmer und Gewerbetreibende ein. Und hat gerade in der Covid 19-Krise vehement eine schnelle und unbürokratische Unterstützung von Unternehmen gefordert, viele Initiativen gestartet und viele auch durchgebracht.

So hat die Stadt Zürich auf Initiative der FDP das sogenannte Drei-Drittels-Modell für Mietzinsbeiträge für Geschäftsliegenschaften erarbeitet und umgesetzt, das dann von Hunderten von Gewerbetreiben genutzt wurde. Stadt Zürich, Vermieter und Mieter haben sich – befristet – den Mietzins geteilt, was gerade kleinen Betrieben, die stark auch unter den Corona-Massnahmen gelitten hatten, sehr geholfen hat. Auch hat die FDP eine grosszügigere Aussenbestuhlung für die gebeutelte Gastronomie durchgesetzt. Und die FDP-Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh hat die Kurzarbeitsentschädigung rasch und unbürokratisch gehandhabt.

Sie sind in der Finanzbranche tätig, einer Branche, die von der Krise profitiert. Gleichwohl scheint sich der Bankenplatz Unternehmern gegenüber defensiver denn je zu verhalten. Wäre eine Unternehmer-Initiative wünschenswert, ähnlich unbürokratisch angedacht und umgesetzt wie die Covid-Kredite? Die grösste Hilfe für Unternehmer wäre eine Entbürokratisierung, auch oder gerade in der Krise. Dann könnten sich Unternehmer noch mehr auf das Unternehmerische konzentrieren und mit Innovationen Arbeitsplätze schaffen. Dies ist seit jeher ein Kernanliegen meiner Partei, der FDP. Die grösste Sorge der Unternehmungen ist aber aktuell die Energiekrise, die sich weiter zuzuspitzen droht. Entsprechend ist die primäre Aufgabe der Politik, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, für Private wie für Unternehmen.
Gleichzeitig gilt es die Energiestrategie 2050 zu hinterfragen und anzupassen. Durch den Krieg in der Ukraine haben sich die Parameter geändert. Es kann politisch nicht gewollt sein, dass bei einer konsequenten Umsetzung primär die Energiekonzerne profitieren.

Wie ist Ihre Zukunftsprognose für die Zürcher Wirtschaft? Ist die Stadt Zürich für alle Eventualitäten vorbereitet? Wie sich die Wirtschaft zukünftig entwickeln wird, hängt vor allem von kantonalen und nationalen Rahmenbedingungen ab.

Die Stadt Zürich ist dank seiner Zentrumsfunktion ein interessanter Standort für Unternehmungen. Sie hat eine gute Infrastruktur und bietet guten Zugang zu qualifiziertem Personal, auch dank der vielen Bildungseinrichtungen wie der Universität Zürich und der ETH, aber auch der Fachhochschulen wie der Zürcher Hochschule der Künste, der Pädagogischen Hochschule, der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Hochschule für Wirtschaft.

Aber der Finanzhaushalt der Stadt Zürich, der entwickelt sich besorgniserregend. Der Aufwandüberschuss bewegt sich auf Rekordniveau. Hier sind dringend Korrekturen notwendig. Nur ein solider Haushalt ermöglicht Prosperität, die linke Regierung ist zu verschwenderisch und macht Klientelpolitik.

Ist ein weiterer Lockdown möglich?
Ich hoffe nicht. Natürlich ist man hier etwas fremdgesteuert – niemand weiss, wie sich das Virus entwickeln wird. Aber wir müssen das Maximum an Prävention tun, um jegliche Form von Einschränkungen der persönlichen Freiheit zu verhindern.

Sie sind Präsident von #swissalbs – was sind die strategischen Ziele dieses Unternehmerclubs?
Mit #swissalbs möchten wir eine Plattform schaffen, welche die Interessen der albanischen Community in der Schweiz vertritt. Wir wollen den unternehmerischen Geist in der albanischen Community in der Schweiz fördern und gleichzeitig aufzeigen, welch wichtigen Beitrag die albanischen Unternehmer für eine erfolgreiche Schweiz leisten. Die Schweiz ist unsere Heimat, wir sind hier geboren oder aufgewachsen, sind hier unternehmerisch in allen Branchen tätig und nehmen hier eine wichtige gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Rolle ein, als Arbeitgeber wie als Steuerzahler.Auch möchten wir unsere Community motivieren, sich politisch und sozial zu engagieren. Die Schweiz mit ihrer einzigartigen direkt-demokratischen Geschichte prädestiniert dafür.

Gibt es Unterschiede zwischen Schweizer und albanischen Unternehmern?
Die Unterscheidung liegt wohl bei der sozialen und gesellschaftlichen Ausgangslage. Die meisten albanisch-stämmigen Unternehmer in der Schweiz sind Teil der zweiten Einwanderungsgeneration. Ihre Eltern waren als Saisonniers in die Schweiz eingewandert und hatten sich ihren Lebensstandard mit sehr viel Fleiss und harter Arbeit erwirtschaftet.

Der Ehrgeiz und das Verlangen, durch Leistung etwas zu erreichen, ist darum auf bei der 2. Generation sehr stark. Die eigene Migrationsgeschichte prägt das Denken und Handeln. Und materieller Wohlstand ist das angestrebte Ziel. Ich denke, dass erst die 3. und 4. Generation in das postmaterialistische Zeitalter eintreten werden.

Herr Avdili, besten Dank für dieses Gespräch.

 

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

 

 

 

 

 

 

 

Vorstand: Arbela Statovci

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Arbela Statovci ist Teamleiterin und Kadermitglied beim unabhängigen Finanzdienstleister smzh, Swiss Management Zürich. Sie hat einen Master in Business Administration HWZ und studiert an der Universität Zürich nebenberuflich Osteuropäische Gesichte und Philosophie.

Eine unsichere Covid-Lage, Krieg in der Ukraine, steigende Energiepreise, eine Teuerung von 3.5% – Unternehmerinnen und Unternehmer müssen stets neue Herausforderungen meistern. Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Gesamtlage – in Wallisellen, wo Sie sich politisch engagieren, und gesamtschweizerisch? Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur und einer steigenden Rezessionsgefahr präsentiert sich die Schweizer Wirtschaft erstaunlich robust. Sollte es aber zu einem Energieengpass in Europa kommen, so würde dies auch die Schweiz spüren. Die aktuellen Konjunkturprognosen erwarten eine deutliche Abschwächung, das Wachstum soll von 2.0% (2022) auf 1.1% (2023) sinken. Obschon die Schweizer Wirtschaft auf ein positives erstes Halbjahr 2022 zurückblickt, haben sich die Aussichten also verschlechtert. Und es ist davon auszugehen, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Leider wird sich auch meine Wohngemeinde Wallisellen dieser wirtschaftlichen Gesamtsituation nicht entziehen können.

 Wallisellen ist ein typischer Vorort von Zürich, hat rund 17’000 Einwohner und 15’000 Pendler, die in Wallisellen arbeiten. Wie kann man einen Wirtschaftsstandort wie Wallisellen entwickeln? Wallisellen ist aufgrund der zentralen Lage, aber auch der Nähe zur Stadt Zürich hervorragend positioniert. Und mit der Anbindung an den öffentlichen Verkehr wie der Glatttalbahn wurden rechtzeitig Investitionen in einen attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort getätigt. Das Resultat sind zahlreiche Bauprojekte, vom Richti Areal über den Integra Square bis hin zu den Um- und Erweiterungsbauten der Sportanlagen Wallisellen oder dem Gemeindehaus.

Gehen Unternehmerinnen anders mit Krisensituationen um als Unternehmer?
Ich denke nicht. Jeder geht anders mit Krisen um, unabhängig vom Geschlecht. Entscheidende Faktoren, Krisensituationen zu meistern, sind meines Erachtens Erfahrung, Resilienz und – daraus resultierend – Ruhe und Gelassenheit. Ich kenne sehr viele Unternehmerinnen, aber auch viele Unternehmer, die sich in den letzten drei Jahren nicht haben aus der Ruhe bringen lassen. Und nur wenige, welche die Krise wirklich gestresst und mitgenommen hat.

Krise heisst auch, mit Empathie zu führen. Das können Frauen sicher besser….
Repräsentative Umfragen bei Mitarbeitenden zeigen, dass Frauen Männer bei wichtigen Führungskompetenzen übertrumpfen. Kompetenzen, die gerade in Krisen wichtig sind, wie Mitgefühl und Empathie. Weibliche Führungskräfte verfügen über ein grösseres Bewusstsein für die Ängste und das Wohlergehen ihrer Mitarbeitenden und gehen daher auch gezielter auf ihre Bedürfnisse ein. Und doch ist Empathie ein Charakterzug, den nicht nur Frauen haben. Aber sie zeigen ihn vielleicht öfter und leichter als Männer.

Führen Frauen besser als Männer?
Was exzellente Führungskräfte von durchschnittlichen unterscheidet, sind Eigenschaften wie Resilienz, Innovationskraft, Motivationsfähigkeit und Inspirationsgabe. Frauen scheinen diese Eigenschaften tatsächlich besonders oft aufzuweisen :- )

Wie geht eine Führungskraft mit dem neuen Arbeiten post Covid um?
Führungskräfte müssen ihren Führungsstil tatsächlich ändern, denke ich. Wir arbeiten mehr und mehr hybrid, die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit verschwimmen und der persönliche Austausch wird erschwert. Entsprechend herausfordernd wird es sein, die Leistungsfähigkeit und die Motivation der Mitarbeitenden zu erhalten und ihnen zu helfen, die neuen Herausforderungen in einer neuen Arbeitswelt zu managen. Auch hier gilt: Empathie hilft.

Männer halten mehr zusammen als Frauen, sagt ein Klischee. Ist das so? Merkt Frau das in Krisenzeiten?
Tatsächlich beurteilen Männer Situationen oft nüchterner und pragmatischer als Frauen. So werden sie auch untereinander weniger emotional – und haben weniger Reibungen, was dem Zusammenhalt förderlich sein kann.

Hat Sie persönlich die Krise verändert? Ja, sehr. Ich wurde in der Krise mit einer schweren Krankheit konfrontiert, die mich viel reflektieren und meine Sinne schärfen liess. Ich habe mich von allem getrennt, was für meine Entwicklung und mein Wohlbefinden nicht relevant ist. Und gemerkt, dass ich niemandem etwas beweisen muss. Erst Grenzerfahrungen zeigen, wer wir wirklich sind und worum es im Leben eigentlich geht.

Was zeichnet eine gute Unternehmerin in Krisenzeiten aus?
Geduld, Weitsicht, Ruhe, Pragmatismus – Entscheidungen treffen ohne grosse emotionale Bindung. Als Unternehmerin soll man einen kühlen Kopf bewahren und nicht im Affekt handeln. Geduld zahlt sich aus. Das ist auf dem Börsenmarkt nicht anders: Buy and hold. Und wem man unsicher ist: Support holen. Weg von Schamgefühlen, weg von Verlustängsten. Nobody is perfect – und das ist ok.

Bieten Krisenzeiten auch Chancen? Immer. In einer Krise erkennt man wahre Stärke, Freundschaft, Treue und Loyalität. Ob in einer Partnerschaft, einer Freundschaft oder einer Job-Beziehung. «Was mich nicht umbringt, macht mich stärker», hat der berühmte deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche gesagt. Krisen gehören zu einem gelingenden Leben dazu. Sie bringen einem weiter, indem sie einem herausfordern. Heisst: Nur wer die Komfortzone verlässt, findet seinen Weg. Nur wer sich neu erfindet, bleibt sich treu. Das wahre Glück besteht in der Selbstüberwindung.

Was kann der Staat für Unternehmerinnen und Unternehmer in Krisenzeiten tun? Was eine Partei wie die Ihre, die FDP?
Covid 19 hat gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierender, gesunder Staat ist. Doch wer einen Staat will, der in der Krise machtvoll agiert, darf denselben Staat in politisch ruhigeren Zeiten nicht ausweiden. Dafür steht die FDP. Was jetzt getan werden kann? Weniger Vorschriften und Regulierung, Entlastung bei Steuern und Abgaben – so käme die Wirtschaft schnell wieder in Schwung. Die Unternehmen hätten «genug Luft», um zu investieren, unternehmerische Risiken einzugehen, zu produzieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

Wieso soll eine Frau in diesen herausfordernden Zeiten noch Unternehmerin werden?
Noch sind Unternehmerinnen unterrepräsentiert. Doch gerade der Job der Unternehmerin ermöglicht Flexibilität in einer Vielzahl von Lebenssituationen – von der Nebentätigkeit oder sporadisch ausgeübten Selbstständigkeit bis hin zum Status einer Firmenchefin mit einem Team von Angestellten. Frauen und Männer sind heute gleichermassen qualifiziert. Dies hilft den Frauen, ihren Platz in der Unternehmenswelt zu finden. Auch weil immer mehr Männer sich in der Familie gleichberechtig engagieren. Also: Hurry up.

Frau Statovci, besten Dank für dieses Gespräch.

 

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Vorstand: Bardhyl Coli

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Bardhyl Coli ist Hotelier und Gastro-Unternehmer, führt als General Manager das Fünf-Sterne Hotel Arosa Kulm in Arosa, betreibt als Gesellschafter die Gubenhof Suiten und das Kaffee Frech in Zug und eröffnet 2023 das Boutique-Hotel Lubo in Luzern.

Eine unsichere Covid-Lage, Krieg in der Ukraine, steigende Energiepreise, eine Teuerung von 3.5% – würden Sie auch heute noch Unternehmer werden? Und wenn ja, warum?
Ja, auf jeden Fall. Unternehmer ist man aus Überzeugung – zyklische wirtschaftliche Veränderungen gehören mit zum Job. Und sowieso: In jeder Krise stecken viele Chancen.

Sie sind Hotelier und Gastrounternehmer. Ihr Geschäft hat in den letzten zwei Jahren massive Turbulenzen erlebt. Können Sie jetzt Krise?
In der Tat hatten wir herausfordernde Zeiten – und haben sie immer noch. Ich brauchte Zeit, die verschiedenen Krisen zu verstehen, sie zu akzeptieren, zu verarbeiten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Was ich dabei definitiv gelernt habe, ist kein Schön-Wetter-Kapitän zu sein. Dabei half mir ein Bonmot, das mich schon immer begleitet: «Wer raue Winde nicht verträgt, der hat auf dem Gipfel nichts zu suchen.»

Haben die Krisen Sie verändert? 

Sie haben mich definitiv beeinflusst. Ich kannte Krisen wie Covid 19 oder die Energiekrise, die mit einer solchen Wucht auf das private und geschäftliche Leben durchschlagen, schlicht nicht. Doch die gemachten Erfahrungen nehme ich mit, sie lassen mich künftig noch besser strategisch planen.

Was zeichnet eine gute Unternehmerin und einen guten Unternehmer in Krisenzeiten aus?
Empathie und transparente Kommunikation. Gerade in einer personalintensiven Branche wie der Hotellerie und Gastronomie, in der in Krisenzeiten viele schnelle Entscheide getroffen werden müssen, ist es wichtig, stets ein Ohr für die Mitarbeitenden und ihre Ängste zu haben sowie transparent und ehrlich zu kommunizieren.

Bieten Krisen auch Chancen?
Definitiv! Ein Beispiel aus meiner Branche: Die Stadt-Hotellerie war jahrelang der Star in der Hotellerie mit den höchsten Renditen. Die Ferien-Hotellerie war weniger profitabel. Mit Covid 19 hat sich das Blatt gewendet: Die Ferien-Hotellerie wurde dank grosser Nachfrage auch im Sommer wieder interessant und für Investitionen spannend. Letztere galt es zu realisieren.

Krise heisst auch, die Nerven zu behalten und mit viel Energie und Empathie zu führen. Wie gleichen Sie Ihre Work-Life-Balance aus?
Die Basis einer guten Work-Life-Balance ist, dass das, was man macht, aus Überzeugung und gerne macht. Bei mir ist es so, dass ich mich sehr mit meinem Beruf identifiziere und ihn auch in meiner Freizeit auslebe. Nichtsdestotrotz: Zeit mit der Familie zu verbringen, ist und bleibt der beste Ausgleich.

Wie sehen Sie die Zukunft des Tourismus? Wie die der Gastronomie? In der Hotellerie ist der Trend zum Ökotourismus ungebrochen, das heisst Reisen in Gebiete mit natürlicher Schönheit, um den Naturschutz zu unterstützen und die negativen Folgen des Reisens zu minimieren. Die Schweiz hat hier die besten Voraussetzungen für eine führende Rolle. Auch wird der Hype des Binnentourismus anhalten, ja sich sogar weiterhin verstärken. Die Gastronomie demgegenüber wird immer mehr zu einem Lifestyle Produkt, auch weil die Preise enorm steigen werden.  Ehrliche und transparente Gastronomie mit viel Showeffekt wird aber immer funktionieren – und gewinnen.

Haben Sie einen Wunsch an den Staat, wie er Ihnen sowie der Tourismus- und Gastrobranche helfen kann?
Die beste Hilfe des Staates ist es, einen Unternehmer machen zu lassen. Darum mein Rat an den Staat: Weniger Bürokratie, weniger Regulierung und viel Eigenverantwortung. Nach meinem Verständnis sind das die Grundpfeiler der Schweiz.

Was sind Ihre kurzfristigen und langfristigen Ziele?
Ich habe das Glück, mit sehr spannenden Projekten beseelt zu werden. Kurzfristig werde ich im Februar 2023 in Luzern das Boutique-Hotel The Lubo www.the-lubo.ch eröffnen – ein sehr cooles, urbanes und zeitgenössisches Design-Objekt. Langfristig bin ich mit dem Umbau und der Neupositionierung des traditionsreichen Arosa Kulm Hotel befasst, das ich als General Manager leite. Mit neuen Investoren werden wir hier in neue (Design-) Zeiten aufbrechen.

Herr Coli, besten Dank für dieses Gespräch.

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Vorstand: Burim Hasani

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Burim Hasani ist Partner und Managing Director von CDP Swiss, einem führenden Schweizer Anbieter von Nicht-Invasiver Medizintechnik. CDP Swiss vertreibt exklusiv in der Schweiz, Österreich und Deutschland 14 renommierte Medizinmarken. Auch ist Burim Hasani Verwaltungsrat und Mit-Inhaber der Medical Beauty Union MBU Holding, die weitere Tochtergesellschaften für ästhetische Medizin hält.

Herr Hasani, Sie sind Managing Director von CDP Swiss, einem Unternehmen, dass Produkte für ästhetische und kosmetische Medizin verkauft. Die Medical Beauty Branche hat stark unter Covid 19 gelitten. Sehen Sie Silberstreifen am Horizont? Hat sich die Nachfrage erholt? Unsere Kunden haben tatsächlich stark unter Covid 19 gelitten, gerade während des Lockdowns. Und doch war die Nachfrage nach Beauty-Produkten und -Behandlungen noch nie so hoch.

Ich denke, die Menschen haben sich in den letzten zwei, drei Jahren intensiv mit ihrer Gesundheit, ihrem Wohlbefinden und auch ihrem Aussehen auseinandergesetzt. Und dabei das Bewusstsein geschärft, dass die Gesundheit das wichtigste Gut ist, das wir haben, dass wir aber auch etwas dafür tun müssen.

Wie beeinflusst die gegenwärtig hohe Teuerung Ihr Geschäft? Leider ist auch unsere Branche sehr stark von der Teuerung betroffen. Wir versuchen aber mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die Teuerung nicht auf unsere Kunden abzuwälzen.

Sie haben ein breites Produkte-Sortiment. Wie managen Sie Ihre Lieferketten in so unsicheren Zeiten? Passen Sie das Sortiment an?
Wir versuchen, mit unseren Herstellern über grössere Mengen zu verhandeln. Dadurch können wir extreme Preisaufschläge und längere Lieferzeiten vermeiden. Diese Massnahmen sind aber sehr kostenintensiv. Und bergen grosse Risiken, da sich das Sortiment in unserer Branche laufend und schnell an die Bedürfnisse unserer Kunden anzupassen hat.

Ein Trend, der sich in Covid-Zeiten verstärkt hat, ist der Online-Verkauf. Auch bei Ihnen ein strategisches Thema?
Für unsere Kleinprodukte wie exemplarisch Pflegeprodukte hat sich der Online-Verkauf tatsächlich verstärkt. Unser Kerngeschäft jedoch – Nicht-Invasive Medizintechnik – ist sehr erklärungsbedürftig und entsprechend beratungsintensiv. Dafür eignet sich der Online-Verkauf weniger.

In Krisenzeiten kann man sich auch gut reflektieren und hinterfragen. Was haben Sie in den letzten zwei Jahren justiert, was verändert? Krisen bieten bekanntlich auch Chancen: Wir haben während der Covid-19-Pandemie unser Sortiment an Verbrauchs- und Hygiene-Artikel sehr stark ausgebaut. Auch um die grosse Nachfrage unser in der Spitalbranche tätigen Kunden befriedigen zu können.

Sie sind Managing Director. Führen Sie in der Krise anders?
Natürlich! Ein guter Leader muss in Krisen-Zeiten primär einen klaren Kopf bewahren. Es gilt die Situation stets neu zu analysieren und richtig einzuschätzen. Und – allenfalls – die Geschäftsstrategie anzupassen oder gar neu zu definieren. Da Krisen immer auch Ängste hervorrufen, ist es die Aufgabe des Leaders, diese Ängste möglichst zu minimieren. Dies schafft man, wenn man transparent kommuniziert und ein möglichst normales, gutes Arbeitsklima ermöglicht. Auch ist sehr wichtig, gemeinsam Massnahmen zu treffen, wenn solche getroffen werden müssen, und hierbei das ganze Team miteinzubeziehen.

Hat Sie die Krise verändert? Hat sich Ihre Funktion in der Krise verändert?
Verändert nicht, nein. Aber ich bin sehr viel reicher an Erfahrungen und an Erkenntnissen in den unterschiedlichsten Bereichen. Wie sagt man so schön: „Bei ruhigem Wetter kann jeder leicht Steuermann sein.“  In Krisen-Zeiten aber werden die wahren Steuermänner geboren!

Und noch ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich die Schweizer Wirtschaft entwickeln?
Ich bin mir sicher, dass die Schweizer Wirtschaft – den Umständen zum Trotz – im Grossen und Ganzen stabil bleiben wird. Es ist aber sehr wichtig, dass die hohe Schweizer Kaufkraft bestehen bleibt. Grosse Industrien (namentlich Lebensmittel- Elektrizitäts- und Öl-Konzerne) sollen darum die Inflation und höhere Kosten im Sinne der gesamten Wirtschaft nicht oder nur moderat auf den Endkunden abwälzen. Eine hohe Kaufkraft ist nämlich der Schlüssel unserer gut funktionierenden Wirtschaft.

Herr Hasani, besten Dank für dieses Gespräch.

 

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Vorstand: Besfort Biljali

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Besfort Biljali ist Head of Sales and Business Development beim Badener Ausbildungsunternehmen libs. Als Verein organisiert und mit Fokus auf die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie unterstützt libs rund 150 Unternehmen in der Ausbildung von über 1’700 Lernenden. Libs beschäftigt 110 Mitarbeitende an sechs Standorten und gilt als Talentschmiede der Hightech-Welt.
Herr Biljali, Sie verantworten die Unternehmensentwicklung eines führenden Anbieters von Berufslehren. Welches sind die Top-3 Berufslehren gerade? Das kommt auf die Perspektive an. Die Top 3 der Schüler sind Informatiker:in, Mediamatiker:in und Entwickler:in Digital Business. Bei unseren Mitgliedern sind es Automatiker:in, Polymechaniker:in und Konstrukteur:in.

Ihr Unternehmen verspricht den Berufslernenden, dass es sie zu Lebensunternehmern befähigt. Geht das überhaupt in einer so schnelllebigen, technologiegetriebenen Zeit? Mit dem Unternehmerkurs vermitteln wir unseren Lernenden die Grundlagen, Lebensunternehmer:in zu werden. Dies beinhaltet auch die Kompetenz, sich in einer schnelllebigen Zeit zurecht zu finden und sich neu nachgefragte Fähigkeiten anzueignen.

Wie beurteilen Sie das duale Bildungssystem – ein Auslaufmodell oder der richtige Weg in die Zukunft? Ganz klar: Der Weg in die Zukunft. Das duale Bildungssystem ist ein Schweizer Erfolgsrezept, für das sich immer wieder auch andere Länder interessieren. Der Erfolg zeigt sich in der tiefen Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz, weltweit eine der tiefsten.

Die Generation Z – die Post-Millenials – geniesst in den Medien keinen guten Ruf. Freizeit sei wichtiger als Arbeit, Purpose wichtiger als erfolgreiches Wirtschaften. Ist die Generation Z wirklich so schwierig? Die neue Generation ist nicht schwierig, nein. Sie kennt ihren Wert – insbesondere den Wert ihrer psychischen und physischen Gesundheit. Und sie setzt sich aktiv für eine faire Arbeitswelt ein. Meiner Meinung nach sind dies wichtige Grundpfeiler für eine nachhaltige Zukunft.

Was sind die Ausbildungstrends 2022? Digitale und Medien-Kompetenz, Storytelling, unternehmerisches Denken und Sales – der Verkauf von Produkten, Dienstleistungen oder auch von sich selber.

Was sind Ihre nächsten Weiterbildungsschritte? Als nächstes möchte ich mich im Bereich Digital Leadership fortbilden und mein Wissen über digitale Technologien und neue Führungsansätze vertiefen.

Herr Biljali, besten Dank für dieses Gespräch.

 

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Gzim Hasani, CEO und Managing Partner bei smzh

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Gzim Hasani ist CEO und Managing Partner beim unabhängigen Finanzdienstleister Swiss Management Zürich smzh, der Kunden in Finanzen und Anlagen, Vorsorge und Versicherungen, Hypotheken und Immobilien sowie Steuern und Recht berät. smzh wurde 2003 gegründet und beschäftigt 50 Mitarbeitende an diversen Standorten in der Deutschschweiz.

 

Der Schweizer Finanzplatz ist eine tragende Säule der Schweizer Wirtschaft und macht rund 10% des BIP aus. Wie ist es um den Finanzplatz Schweiz gerade bestellt? Leider hat der Finanzplatz Schweiz in den letzten Jahren einiges an Prestige und Goodwill verspielt. Auch ist der Anteil am BIP in den letzten 10 Jahren von 10% auf 9% gesunken. Generell befindet sich die gesamte Finanzindustrie in einer anspruchsvollen Phase: Aktuelle Themen sind die technologischen Fortschritte, Effizienzsteigerungen und Kostendruck. Trotzdem wird unsere Branche zentral bleiben für dieses Land und sich an neue Rahmenbedingungen anpassen.Der Finanzplatz Schweiz ist geprägt von Stabilität. Die Zuverlässigkeit des Rechtssystems sowie die Verlässlichkeit ihrer politischen Institutionen und ihrer Währung machen die Schweiz nach wie vor zu einem «sicheren Hafen» für Menschen, Unternehmen und Investoren.

Auch wenn Schweizer Banken global tätig sind, bewahren sie einen starken Bezug zu ihrem Heimatmarkt. Der Finanzplatz inkludiert kulturelle Vielfalt und bietet ein umfassendes Dienstleistungs- und Produkteangebot für Kunden jeder Nationalität und für Vermögen jeder Grösse. Er stellt dank gut ausgebildeter, mehrsprachiger und offener Mitarbeitenden eine hohe Beratungsqualität sicher.

 

Eine unsichere weltpolitische Lage, eine hohe Inflation, erodierende Aktienmärkte – was mache ich heute am besten mit meinem Geld?
Die Entschlossenheit der Zentralbanken, der hartnäckig hohen Inflation mit Zinserhöhungen gegenzusteuern, wird eine Abkühlung des Wirtschaftswachstums und eine höhere Marktvolatilität zur Folge haben. Durch den Anstieg der Zinsen erhöhen sich die Finanzierungskosten für Unternehmen, während ein gebremstes Wachstum die Umsätze beeinträchtigen kann. Daher dürften die Unternehmensgewinne im Marktausblick unter Druck kommen.

Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist die Anlage in Aktien oder Obligationen zurückhaltend zu beurteilen. Sich dennoch gänzlich aus den Märkten zurückzuhalten, wäre ein schlechter Rat. Stattdessen sollte man sich bei den Investitionen darauf fokussieren, sich möglichst breit aufzustellen. Daneben sollte die Anlage in Immobilien und Edelmetalle immer miteinbezogen werden, welche eine sichere und ergänzende Diversifikation mit sich bringt. Genauso wichtig ist der Anlagehorizont: Möchte jemand langfristig investieren, dann ist das aktuelle Umfeld womöglich ein spannender Einstiegszeitpunkt für Aktien.

 

Gerade für Unternehmer ist die gegenwärtige weltpolitische Lage herausfordernd, weil schwer planbar. Was raten Sie KMUs, wie sollen sie finanztechnisch mit der Situation umgehen? Nachdem die Coronakrise die KMU vor immense Herausforderungen gestellt hatte, sehen sie sich nun mit einer angespannten Situation im Energiebereich und deren Folgen wie einer hohen Inflation konfrontiert. Wir sind überzeugt, dass gerade im derzeitigen Umfeld eine nachhaltige Finanz- und Liquiditätsplanung und eine rechtzeitige Sicherung oder Bereitstellung von liquiden Mitteln über die nächsten 12 bis 24 Monate ein zentrales Element zur Bewältigung der aktuellen Situation ist.

 

Wagen Sie eine Konjunkturprognose?
Im aktuellen Konjunkturzyklus befindet sich die Schweiz in einer Phase des Abschwungs und entsprechend wächst die Rezessionsgefahr. Dennoch präsentiert sich die Schweizer Wirtschaft angesichts des aktuellen Marktumfeldes erstaunlich robust.

Sollte es jedoch zu einem Energieengpass in Europa kommen, so würde dies auch in der Schweiz konjunkturelle Bremsspuren hinterlassen. Die aktuellen Konjunkturprognosen wurden für die Schweiz deutlich auf 2.0% (2022) und auf 1.1% (2023) gesenkt. Die Schweizer Wirtschaft blickt zwar auf ein positives erstes Halbjahr 2022 zurück, die Aussichten haben sich aber verschlechtert, und es ist davon auszugehen, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist.

Sie sind eine Finanz-Boutique – was kann eine Finanzboutique besser als eine Grossbank?
Unser Anspruch ist es, dass jede und jeder eine massgeschneiderte, umfassende und individuelle Finanzberatung erhält – unabhängig ob Privatkunde oder KMU, unabhängig vom Alter und von der Einkommens- und Vermögenssituation. Durch unsere Berater:innen stellen wir sicher, dass sämtliche persönlichen und finanziellen Aspekte der aktuellen Situation, aber auch zukünftige Ziele und Wünsche in die Entwicklung der Lösung miteinbezogen werden.

Wieso soll ich gerade jetzt als Kunde zur smzh stossen?
Im aktuellen Umfeld werden viele Themen im Bereich Finanzen digitalisiert, stehen nur noch online zur Verfügung, und je nach Einkommens- und Vermögenssituation erfolgt die Betreuung dezentral in einem Beratungscenter ohne einen persönlichen Ansprechpartner.

Eine persönliche und individuelle Betreuung ist uns wichtig. Zudem hat die smzh ein Netzwerk von mehr als 35 Partnern im Bereich Banken und Versicherungen, Vorsorge und Pensionskassen sowie Liegenschaftenverwaltungen, das uns erlaubt, die für den Kunden bestmögliche Lösung mit dem richtigen Partner auszuarbeiten.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit, Herr Hasani

Text: Michel Pernet

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit Roland Brack

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Roland Brack ist Gründer des Onlinehändlers brack.ch sowie Gründer und Inhaber der Firmengruppe Competec, zu der neben brack.ch weitere Unternehmen aus Online- und Grosshandel gehören. National bekannt wurde Brack als Investor in der Schweizer Adaption der TV-Sendung DIE HÖHLE DER LÖWEN auf TV24.

Ukraine-Krise, hohe Energiepreise, hohe Inflation – viele Unternehmerinnen und Unternehmer leiden. Sie auch?
Ich glaube, es gibt kaum Firmen, welche die Auswirkungen nicht spüren. Aber im Vergleich zu den Menschen vor Ort sind die Auswirkungen für uns weit weniger dramatisch.

Führen Sie Ihr Unternehmen in der Krise anders? Vielleicht mehr opportunitätsgetrieben, weniger strategisch?
Vor 4 Jahren habe ich die Führung vertrauensvoll in die Hände von Martin Lorenz, dem CEO übergeben. In Krisen gibt es aber tatsächlich erfahrungsgemäss deutlich mehr Opportunitäten.

Viele sagen, die Covid 19-Krise hätte viel zur schnelleren Digitalisierung der Gesellschaft beigetragen. Teilen Sie diese Meinung?
Auf jeden Fall. Jetzt geht es darum, dass wir die Geschwindigkeit aufrecht erhalten können!

Der Online-Handel hat stark von Covid 19 profitiert. Kein schlechtes Gewissen?
Wir haben versucht, unseren Teil zur sicheren Versorgung des Landes beizutragen. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht, bin aber auch nicht besonders stolz auf die positive Umsatzentwicklung.

Welche Ratschläge geben Sie einer jungen Unternehmerin und einem jungen Unternehmer, die in schwierigen Zeiten wie diesen ein Unternehmen aufbauen wollen?
Krisenzeiten sind auch Chancenzeiten und grössere Veränderungen passieren oft nur unter Druck.

FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt bemängelt die Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft. Sie sei in den internationalen Rankings ins Mittelmass abgerutscht. Was kann die Politik dagegen tun? Was können Sie als erfolgreicher Unternehmer dagegen tun?
Satte Löwen jagen nicht, da gebe ich Andri Silberschmidt recht. Aus diesem Grund setze ich mich für ein gut funktionierendes Startup-Ökosystem ein. Wir müssen wieder lernen, Risiken einzugehen. Ein positiver Umgang mit dem “Scheitern” wäre ebenfalls hilfreich.

Apropos Löwen: Sie sind einer der Löwen in der TV-Sendung Höhle der Löwen? Bringt es einem Unternehmer etwas, in dieser Sendung auszutreten? Und welches war ihr erfolgreichstes Investment? Eine Teilnahme bringt auf jeden Fall schweizweite Bekanntheit und im besten Fall sogar ein Investment. Der Dreh dauert rund 45 bis 90 Minuten, und ich höre immer wieder von Teilnehmern, das die Fragen der Löwen wertvoll waren und sie weitergebracht haben, auch wenn es kein Investment gab. Das gefällt mir an der Sendung, es gibt praktisch nur Gewinner. Es gibt zum Glück viele Startups, die auf einem sehr guten Weg sind. Aus der ersten Staffel vor 4 Jahren beispielsweise Neon, die ihr Geschäft von wenigen tausend auf weit über 100’000 Kunden ausbauen konnten.

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?
Genau dies: Unternehmertum ist ein wichtiges Fundament für ein prosperierendes Land.

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Schweizer Wirtschaft?
Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann sehe ich auch in Zukunft grossartige Chancen.

Wie die des Unternehmertums?
In der Schweiz haben wir meiner Meinung nach weiterhin gute Rahmenbedingungen. Als Unternehmerin und Unternehmer ist eine positive optimistische Grundhaltung entscheidend, dann kommt auch der Erfolg.

Und wie die des Online-Handels?
Da hat die Schweiz noch Potential nach oben und deshalb glaube ich, die nächsten Jahre bleiben dynamisch.

Was sind Ihre persönlichen unternehmerischen Ziele?
Mir liegt die Lehrlingsausbildung (insbesondere auch im ICT Bereich) und die Förderung von Unternehmertum (insbesondere durch Investments in Startups) weiterhin sehr am Herzen.

Herr Brack, besten Dank für das Gespräch.

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Interview mit Jeton Tolaj

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Jeton Tolaj ist dipl. Baumeiser und CEO der Wirz Unternehmungen, eines traditionsreichen Berner Bauunternehmens.

Herr Tolaj, Sie sind CEO eines über 100 Jahre alten Berner Bauunternehmens. Wie kam es dazu?
Ich bin seit meiner Lehre in dieser Unternehmung tätig. Ich begann als Maurerlehrling, wurde dann Bauführerpraktikant, später Bauführer und schliesslich Baumeister.Eines Tages kontaktierte mich der Inhaber und lud mich zu einem Mittagessen ein. Er bot mir an, die Geschäftsführung der Bauunternehmung zu übernehmen. Ich sagte freudig zu. Zwei Jahre später übernahm ich dann die Funktion als CEO der Wirz Unternehmungen – ein Job, den ich nun seit fünf Jahren ausübe.

Die Zeit vergeht – aber ja, wohl eine Bilderbuchkarriere :- )

Wie führt man als Nicht-Familienmitglied ein Familienunternehmen?
Im Prinzip bin ich ja ein Mitglied der Familie, wenn auch die Familie eine geschäftliche ist.  Ich spüre, dass das Vertrauen der Eigentümer-Familie zu 100% da ist – und meine Kompetenzen sind so gross, dass ich meine Funktion so ausfüllen kann, als wäre es mein eigenes Unternehmen. Ich bin mir sogar sicher, dass ich mich in dieser Konstellation sogar noch mehr unter Druck setze, gute Leistungen abzurufen und erfolgreich zu sein, als wenn ich selber Inhaber wäre.

 

Was sind Ihre Herausforderungen gerade? Was die Chancen?
Da die Nachfrage nach Wohneigentum und Mietwohnungen nach wie vor hoch ist, sind unsere Aussichten am Markt ausgezeichnet. Unser Markt ist die Region Bern. Hier sind wir gut vernetzt und auch Mitglied in diversen Baugenossenschaften. Und doch gibt es viele Herausforderungen. In der Innenperspektive ist namentlich das Führen von ganz verschiedenen Berufsgruppen innerhalb unserer vier Abteilungen, namentlich das Kader, das technische und kaufmännische Personal sowie das Frontpersonal auf den Baustellen. Das verlangt viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.Auch beschäftigt mich die Digitalisierung und die Work-Life-Balance in den Bauberufen, insbesondere mit Blick auf die kommende Generation. Sowie der Fachkräftemangel, denn nur gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern unseren langfristigen Erfolg. In der Aussenperspektive ist die hauptsächliche Herausforderung die geopolitische Lage – negative Auswirkungen können sehr schnell und schmerzhaft auf den Schweizer Markt durchschlagen. Wie wir es eben mit dem Ukraine Krieg erfahren haben. Plötzlich haben wir eine Energiekrise, die eine Inflation nach sich zieht.

Haben die letzten zwei, drei Jahre Ihren Blick auf die Arbeit verändert?
Ja, ich bin im Beruf viel resistenter geworden.

Führen Sie heute anders? Vielleicht empathischer? Oder gar strenger?
Entscheidend ist es meines Erachtens, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein ebenso glaubwürdiges wie authentisches Vorbild zu sein und den Beruf mit Leidenschaft auszufüllen. Ich habe – glücklicherweise – ein sehr gutes Bauchgefühl und erkenne früh Probleme. So kann ich auch früh korrigierend einwirken und das Unternehmen wie auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den richtigen Weg führen bzw. sie auf dem richtigen Weg halten.

Welche Stärken kann die schweiz-albanische Community in die Schweizer Wirtschaft einbringen?
Ich denke, die Kombination dieser beiden Länder und Kulturen ist einzigartig. Die Albaner sind robust, lieben das Unternehmertum und suchen den Erfolg. Die Schweizer demgegenüber sind bodenständig, realistisch und legen Wert auf Sicherheit und Tradition. Wenn man von beiden Kulturen die Stärken vereint, dann kann die Schweizer Wirtschaft nur davon profitieren.

Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten der Baubranche?
Die Aussichten in unserem Markt – der Region Bern – sind ausgezeichnet. Es wird viel gebaut und für die Zukunft geplant. Der gegenwärtige Fachkräftemangel wird die Branche zwar bremsen. Die tut aber dem Markt meines Erachtens sogar gut, da die Firmen dann nur noch die Projekte offerieren, für die sie auch die Ressourcen haben. Die globale Situation, insbesondere die Energiekrise und die damit verknüpfte Teuerung, können die Aussichten für das Jahr 2023 allerdings noch trüben und die Ausgangslage deutlich erschweren.

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt?
Ich befürchte, dass wir uns in die Richtung einer Rezession bewegen, was für die Wirtschaft nichts Gutes wäre. Die Politik muss zwingend schnell und vorausschauend reagieren, vor allem bei der Energiepolitik. Sonst stehen uns kurzfristig harte Jahre bevor. Jede Krise birgt aber auch Positives: Es kann zu einer Marktbereinigung führen und es können sich neue Opportunitäten ergeben. Mit Blick in die Wirtschaftsgeschichte: Nach jeder Krise kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung –  hoffen wir, dass die Krise nicht zu lange dauert.

Was sind Ihre persönlichen Ziele?
Dass meine Familie und ich gesund bleiben. Und dass die Unternehmen, die ich führe, diese Krise gut überstehen. Auch möchte in den nächsten Jahren in externen Verwaltungsratsmandaten meine Erfahrung weitergeben können.

Herr Tolaj, besten Dank für das Gespräch.

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Interview mit Vllaznim Xhiha

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Vllaznim Xhiha ist Elektroingenieur ETH und Serial Entrepreneur. Mit seiner Initiative Encouraging Young Entrepreneurs (EYE) und dem alljährlichen Wettbewerb EYE Venture setzt er sich mit grosser Leidenschaft für die Gründung von erfolgreichen und nachhaltigen Unternehmen in Kosovo ein.

Was unterscheidet Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmer von albanischen?
Im Gegensatz zum Kosovo hat das Unternehmertum in der Schweiz eine lange Geschichte. Das etablierte unternehmerische Ökosystem, das auf einem hochentwickelten Schul- und Schulungssystem aufbaut, ist eine optimale Plattform für die Förderung von jungen Unternehmen und Startups.

Kosovo ist ein junger Staat und kann diese Voraussetzungen seiner jungen Generationen leider (noch) nicht anbieten. Die jungen Albaner, die in der Schweiz leben und geschult werden, haben die gleichen Voraussetzungen und die gleichen Möglichkeiten wie ihre Schweizer Kollegen, um erfolgreiche Unternehmer zu werden. Das, was die jungen Albaner unterscheidet, ist der Ehrgeiz als erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer erkannt zu werden. Die positive Entwicklung der Initiative #swissalbs bestätigt diese Annahme.

Welche Qualität bringen schweiz-albanische Unternehmerinnen und Unternehmer in die Schweizer Wirtschaft mit ein?
Der betonte Ehrgeiz der jungen, aus dem Kosovo stammenden Unternehmer hat meines Erachtens eine höhere Risikobereitschaft zur Folge. Das bringt eine gewisse Frische und Dynamisierung in die Unternehmen, in denen sie tätig sind.

Sie haben an der ETH studiert. Ist Bildung die Basis jeden wirtschaftlichen Erfolgs?
Die Qualität der Bildung und der Ausbildung ist die Grundlage für jeden unternehmerischen und wirtschaftlichen Erfolg. Kompetenz, Expertise und Innovation sind die Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes, und dieser kann nur durch ein hervorragendes Schulsystem erreicht werden.

Sie haben in ihrer Heimat Ingenieur-Laboratorien für Jugendliche aufgebaut. Warum? Und was können die Jugendlichen da lernen?
«Die Vorstellungskraft ist die Quelle aller menschlichen Errungenschaften, und Kreativität ist das größte Geschenk der menschlichen Intelligenz», hat der britische Kunstprofessor und Regierungsberater Sir Ken Robinson einst gesagt. Jedes Kind ist mit diesen natürlichen Fähigkeiten geboren – und unser Ziel ist es, diese zu fördern. Unser Fab-Lab BONEVET (Do It Yourself) ist eine fortschrittliche, kinderfreundliche Lernumgebung, in der Kinder aller Altersgruppen ab 4 Jahren durch Spiel und Technologie inspiriert werden, ihre Talente zu entdecken und mit Leidenschaft und Liebe zu entwickeln.

Das Unterrichtskonzept von BONEVET befasst sich mit realen Problemen, um die Schüler darauf vorzubereiten, die Herausforderungen unserer komplexen Welt mit mehr Kompetenz, Selbstvertrauen und Optimismus anzugehen und zu bewältigen.

Ingenieurwissen täte auch Schweizer Jugendlichen gut. Haben Sie keine Lust, auch in der Schweiz solche Labs aufzubauen?
Das Schulsystem in der Schweiz ist auf allen Lernstufen beispielhaft und so weit fortgeschritten, dass wir mit unserem Unterrichtskonzept wenig Neues anbieten könnten.

Unsere Ausbildung baut auf Wissen auf. Der legendäre chinesische Unternehmer Jack Ma, selbst Hochschulprofessor, hatte am WEF vor nunmehr vier Jahren propagiert, dass man den Kindern nicht Wissen, sondern Kreativität lehre. Und Disziplinen wie Kunst und Musik fördere, da Maschinen heute immer mehr wissen. Was meinen Sie?
Ich bin damit einverstanden. Wir leben in einer dynamischen Welt, die sich immer schneller verändert. Die Technologie entwickelt sich in einem beschleunigten Tempo und verändert die Art und Weise, wie wir denken, handeln und miteinander kommunizieren. Wir stehen vor komplexen Herausforderungen wie der globalen Erwärmung und der Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Unsere Gesellschaft kann weder nachhaltig sein noch diese Herausforderungen überleben, ohne in unsere besten Ressourcen – unsere natürlichen Fähigkeiten – zu investieren. Je komplexer die Welt wird, desto kreativer müssen wir werden.

Welche Skills brauchen eine Unternehmerin und ein Unternehmer um erfolgreich zu sein?
Neben der Expertise, Innovation und Management-Fähigkeiten müssen sie einen starken Willen und Durchhaltevermögen haben.

Wie definieren Sie heute für sich Erfolg?
Es gibt keinen einfachen Weg zum Erfolg – er ergibt sich nicht aus einzelnen Ereignissen und baut sich allmählich auf. Auf dem Weg zum Erfolg muss man jeden Zentimeter des Bodens erobern, den man beschreitet. Erfolg bedeutet für mich, die richtige Balance zwischen persönlicher Leistung und einem sinnvollen Beitrag zum Gemeinwohl zu finden. Und nicht nach Titeln und sozialem Status zu streben. Oder nach Ruhm und Reichtum.

Die Schweiz hat eine sehr grosse albanische und kosovarische Diaspora. Spürt man in Albanien und Kosovo den Braindrain? Und wie kann der Knowhow-Transfer zurück nach Albanien und in den Kosovo verbessert werden?
Wir haben eine wunderbare junge Bevölkerung, voller Talente und Energie. Unser Land verfügt über Bodenschätze, die für die Wirtschaft wichtig sind. Wir haben viel fruchtbares Land, um unsere gesamte Bevölkerung zu ernähren. Wir haben großartige Freunde und Partner im Westen, insbesondere in der Schweiz – und unsere Diaspora unterstützt den Kosovo und seine Bevölkerung kontinuierlich großzügig.

Der Kosovo braucht dringend gut ausgebildete junge Menschen, die unsere natürlichen und menschlichen Ressourcen mit höherer Produktivität nutzen und größerer Erträge erwirtschaften, um das Wohlergehen und die Attraktivität des Kosovo zu steigern.

Wir sind sicher, dass viele dieser jungen Mädchen und Buben in den kommenden Jahren gute Ingenieure und Techniker sowie erfolgreiche Unternehmer werden, die Unternehmen gründen und neue Arbeitsplätze schaffen werden, um unsere hohe Jugendarbeitslosigkeit zu mildern und hoffentlich dazu beizutragen, den Strom der Auswanderung zu reduzieren.

Die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmern im Kosovo und in Albanien und den jungen albanischen Unternehmer in der Schweiz wird sicherlich einen positiven Einfluss auf die Verringerung des Braindrains haben.

Raten Sie einem jungen Menschen auch in diesen unsicheren Zeiten zum Unternehmertum?
Ich würde jedem jungen Menschen, der eine unwiderstehliche Idee hat, zum Unternehmertum raten – vorausgesetzt sie haben den Willen dazu, den Mut und das Durchhaltevermögen. Das Unternehmertum ist meist risikoreich und anstrengend, aber dafür umso spannender und bereichernder.

Unsichere Zeiten haben auch ihr Gutes: In Krisenzeiten erkennen wachsame Unternehmer neue Innovationsmöglichkeiten, die zum Wachstum der Unternehmen beitragen.

Herr Xhiha, besten Dank für das Gespräch.

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.

Interview mit Nadine Jürgensen

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Nadine Jürgensen arbeitet als Juristin, Journalistin und Unternehmerin. Sie ist Co-Gründerin von elleXX, einer Finanz-Beratungsplattform für Frauen, und engagiert sich bei WE/MEN für Frauenanliegen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann.

Können Frauen besser Krise, weil sie empathischer sind?
Empathie, Menschenkenntnis und auf Augenhöhe kommunizieren zu können, sind Eigenschaften, die Frauen eher zugeordnet werden. Wer sie lebt, hat in der Krise bestimmt einen Vorteil, weil man so näher bei seinem Team ist, man zusammen den Druck besser aushält und fester zusammenwächst. Ich bin aber sicher, dass auch Männer diese Eigenschaften besitzen müssen, um Krisen besser zu meistern.

Lohnt es sich in Krisenzeiten überhaupt, Unternehmerin zu sein?
Ja natürlich, gerade in schlechten Zeiten braucht es Menschen, die Ziele haben und andere motivieren können. Die Schweiz wird von starken KMU getragen, aufgeben ist da einfach keine Option.

Haben Sie – als Unternehmerin in Krisenzeiten – Wünsche und Forderungen an die Politik?
Ich habe ganz viele Wünsche und Forderungen an die Politik, nicht nur in Krisenzeiten! Aber es wäre sicher sehr sinnvoll, wenn Gender Budgeting auch bei den Innovationsfonds des Bundes eingeführt werden würde – es kann doch nicht sein, dass weiblich geführte Start-ups viel weniger Venture Kapital erhalten, gerade von staatlicher Seite. Die Verfassung verlangt die Gleichbehandlung der Geschlechter, davon ist man im Schweizer Start-up Ökosystem noch weit entfernt.

Hilft oder schadet die Krise der Gleichberechtigung der Frauen in der Wirtschaftswelt?
Leider sind Krisen oft ein Rückschlag für die Sache der Frauen. Man hat es während der Corona-Pandemie gesehen: ein totaler globaler Backlash. Die Teilnahme am Arbeitsmarkt in den USA ist auf Werte in den 1980er Jahren zurückgefallen, viele Frauen haben ihre Jobs aufgegeben, als die Schulen geschlossen waren, weil sie noch immer weniger verdienen. Aber auch die Klimakrise oder der Krieg in der Ukraine haben Auswirkungen: Die UNO hat berechnet, dass es noch 300 Jahre dauern wird, bis Gleichstellung auf der Welt erreicht wird. Fehlende Bildung und wirtschaftliche Teilnahme gehen leider Hand in Hand mit der Armut.

Die schweiz-albanische Community ist stark unternehmerisch geprägt. Welche Qualitäten kann sie in die Schweizer Wirtschaft einbringen?
Ich freue mich, dass die Schweiz-albanische Community einen solchen Unternehmergeist zeigt! Diese Unternehmer:innen vereinen nicht nur verschiedene Kulturen, sie haben sich auch als anpassungsfähig und innovativ erwiesen – Qualitäten, die jedes Land brauchen kann.

Sie sind selber Finanz-Unternehmerin. Wie sehr haben Sie die letzten zwei, drei Jahre als Unternehmerin verändert? Was haben Sie in der Krise gelernt?
Ja, als Mitgründern von elleXX haben wir in den letzten Jahren jeden Tag Neues gelernt. Wir unternehmen jeden Tag Dinge, die wir noch nie zuvor gemacht haben. Das ist unglaublich bereichernd, abwechslungsreich und sehr intensiv. Aber natürlich gibt es auch Tage, da fragen wir uns: Und jetzt, wie weiter? Was machen wir nun? Ich selber habe gelernt, grossen Druck auszuhalten, bin aber sehr froh, dass wir ein starkes Gründerinnen-Team sind und uns auch gegenseitig stützen. Dazu kommt: Unsere Mitarbeiterinnen sind einfach toll. Wir ziehen alle an einem Strang. Es gibt immer einen Weg, auch aus einer vermeintlichen Sackgasse – oft kennen wir ihn einfach noch nicht. Und so gehe ich jeden Tag mit dem Vertrauen an, dass die beste Lösung erst noch kommt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Finanzbranche?
Es ist wie mit Toilettenpapier, das braucht man auch immer. Vielleicht nicht immer supersoft 5-lagig, aber Sie verstehen, was ich meine (grinst). Wir brauchen Geld für unser Leben, unsere Träume – noch wurde nichts Besseres erfunden, in welcher Form auch immer. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir aufgrund technologischer Möglichkeiten in Zukunft ein völlig neues System haben werden. Aber die Finanzbranche an sich wird es auch weiterhin geben. Investitionen, Kredite, Zahlungsverkehr, Hypotheken etc. – diese Geschäfte sind ein Grundbedürfnis.

Wie die des Unternehmertums?
Es hat immer wieder Krisen gegeben, aber wir Menschen haben nun einmal Bedürfnisse und die Unternehmen sind dazu da, diese zu befriedigen. Wirtschaft und Unternehmertum sind ja kein Selbstzweck, das wird es immer geben, weil es natürlich entsteht. Du hast etwas, das ich brauche – ich gebe dir dafür etwas im Austausch. Schon entsteht Wirtschaft und Unternehmertum im Kleinen. Konjunkturzyklen. Krisen etc. gab es immer und das sind sicher grosse Rückschläge für Unternehmen, aber wenn sie vorbei sind, entstehen auch wieder neue Chancen.

Und wie die der Schweizer Wirtschaft insgesamt?
Die Schweiz hat eine sehr gut ausgebildete Bevölkerung, eine hohe Arbeitsethik, eine grosse Innovationskraft und viel Kapital – aber natürlich sehe ich auch, dass wir bald in einen grossen Fachkräftemangel kommen werden. Es wäre sehr intelligent, wenn unser Land sich endlich dazu entscheiden könnte, die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, weil bei den Frauen liegt ein sehr grosses, ungenutztes Potenzial. Die Unternehmen müssen sich zudem an die Arbeitsethik von jüngeren Generationen und an die Familien von Familien und Teilzeitarbeitnehmenden anpassen, und ich beobachte, dass das nicht allen leicht fällt. Als Wirtschaftsstandort ist die Schweiz zudem global eingebunden und deshalb ist die nächste Zukunft natürlich momentan nicht gerade rosig – auch wenn ich an den Klimawandel und die Auswirkungen denke. Aber ich bin überzeugt, dass wir langfristig den Wandel schaffen.

Was sind Ihre persönlichen unternehmerischen Ziele?
Momentan sind wir daran, die Finanzierung unserer Seed-Runde sicherzustellen. Die Venture Capitalists sind aber momentan sehr vorsichtig, weshalb es schwieriger ist als letztes Jahr, einen strategischen Partner an Bord zu holen, der mit uns auch in den nächsten Jahren wachsen wird. Aber auch das werden wir schaffen. Was danach kommt, mal sehen – ich denke immer in Etappenzielen. Der Weg ist das Ziel, sowieso. Enjoy the Ride. Wir haben es geschafft, in wenigen Monaten die grösste Schweizer Female Finance Community aufzubauen. Darauf dürfen wir stolz sein. Und wenn wir träumen dürfen, dann sicher, dass wir eines Tages die grösste Finanzplattform für Frauen in Europa sind.

Frau Jürgensen, besten Dank für das Gespräch.

Die Interviews führte der Journalist und Kommunikationsberater Michel J. Pernet.